Langlebigkeit und Wartungskosten unserer Fahrzeuge

Hier kommt alles rein zum Basisfahrzeug, Motor, Getriebe, Fahrwerk und Führerhaus
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peterb
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Langlebigkeit und Wartungskosten unserer Fahrzeuge

Beitrag von peterb »

Hallo Arnoldfreunde,

nachdem an anderer Stelle schon vieles geschrieben wurde, hier der Versuch einer Zusammenfassung. Dieser Beitrag ist zunächst vorläufig und wird wohl in zeitlichen Abständen aktualisiert werden, weil das Thema ist sehr umfangreich....

Also lege ich mal los und fange mit den Motoren und dem Bordnetz an. Wichtig zu wissen: Die Mercedes Transporter auf Basis T1 sind die letzte Generation ohne Elektronik und Steuergeräte. Ab der Generation Sprinter gibt es nämlich solche und damit verbunden jede Menge Fehlermöglichkeiten. Angefangen von Wegfahrsperre, el. gesteuerter EInspritzung und Turbolader, CDI=Commonrail mit el. gesteuerten Einspritzdüsen und jeder Menge Sensoren braucht es im Fehlerfall immer ein Diagnosegerät... Abschleppen und die Suche nach einer fähigen Fachwerkstatt ist damit vorprogrammiert, während unsere guten alten Stücke im Regelfall vor Ort wieder fit gemacht werden können. So gehört vom Werkstattmeister vor vielen Jahren bei MB-Werkstatt in Ljubljana. Bei den neueren hingegen können die DIagnose und Reparaturkosten in die Tausende gehen. Allein die Einspritzdüsen bei einem CDI gehen bei Originalaustausch in die Tausende. Stückpreis mal so um die 750€, wenn ich mich nicht irre...

Kommen wir zu den einzelnen Motoren:
Benziner M115: Gilt als langlebig, aber bei speziellen Ersatzteilen (Anbauteile wie Vergaser, Ansaug- und Auspuffkrümmer, etc.) könnte es problematisch werden. Hier gilt es vorzusorgen und sich vor allem erstmal schlau zu machen. Quellen für Vergaserreparatur und Ersatz Zündverteiler (kontaktlos!) sind dabei zu berücksichtigen. Links dazu finden sich auf der Webseite. Wer auf LPG umrüsten will muss sehr gewissenhaft vorgehen.
Benziner M102: Der Grundmotor ist anscheinend so gut wie unzerstörbar. Probleme gibt es ggfls. beim Zylinderkopf und fehlendem Kühlwasser. Zudem wartungsintensiv, weil manuelle Einstellung Ventilspiel, Ventile noch nicht auf Bleifrei ausgelegt und hat nur Simplex-Steuerkette. Wer hier einen Schaden haben sollte, sollte einen anderen Grundmotor einbauen. Empfehlung ist der M102.982, also letzte Generation aus dem W124 230E. Alle Anbauteile passen. Vorteile: Hat Duplex-Kette, Hydro-Stössel, kugelförmigen Brennraum und etwas höhere Verdichtung, somit etwas mehr "Dampf" im Rahmen des zulässigen. Und ist vor allem Bleifreitauglich. Ideale Basis auch für den Betrieb mit Autogas. Das ist dann die höchstmögliche Motorisierung für einen Arnold, ausser man greift beim Diesel zum Turbolader, wovon es aber aus Haltbarkeitsgründen so gut wie keine mehr geben dürfte...
Diesel OM616/617: Diese gelten allesamt als sehr langlebig und begründen den Ruf von MB, insbesondere bekannt von den /8 (W114/115) und W123, sowie G-Klasse. Es gibt aber auch Unterschiede. So sind insbesondere die OM616 mit 72PS und der OM617.913 die letzte und haltbarste Entwicklungsstufe, wobei mir zu letzterem eine Lebensdauer von 500000-1000000km prognostiziert wurde. Unserer hat gerade mal 320000km und läuft und läuft :-).
Diesel OM601/602: Diese Motoren wurden bei MB ab Mopf 1989 serienmässig verbaut. Sind etwas sparsamer, da hier ein Querstromzylinderkopf zum Einsatz kommt. was sich gleichzeitig auf Drehmomentenverlauf und vor allem Leistungskurve auswirkt. So wird die max. Leistung bereits bei 3800 Umdrehungen/min. erreicht, was sich in der Praxis deutlich bemerkbar macht, da diese über einen weiten Drehzahlbereich zur Verfügung steht. Bei OM616/617 dagegen steht die erst bei 4400 U/min. an, also quasi Maximaldrehzahl. Die Motoren sind in einigen Fahrzeugen zu finden, wobei für die Umrüstung regelmässig ein passendes Spenderfahrzeug benötigt wurde, damit alles anschliessend zusammenpasst. Auch wichtig für die spätere Ersatzteilbeschaffung, denn dazu braucht es im Zweifelsfall die FG-Nr. vom Spender, bzw. die zugehörige Datenkarte...
Was gibt es noch? Beim Diesel gibt es noch die Vorläuferversionen vom OM617.913, den OM617.910 und den 617.912. Der 617.910 ist der Motor aus dem /8 240D 3.0 und wurde (mitentwickelt) von Dr. F. Piech zu Beginn seiner Tätigkeit als Entwickler in Stuttgart. Die Weiterentwicklung wurde dann zu Anfang auch beim W123 angeboten. Beiden Motoren gemein ist die Motorleistung von 80PS. Diese hatten noch einen Starrlüfter, der einen Grossteil der Differenz zur späteren Versionen, beim 617.912 mit weiteren Unterschieden, die nur an Hand der Motornummer bestimmbar sind, ausmachte. Letzte Version 617.912 aus dem W123 und 617.913 sind am Ende Leistungsgleich... Diese sind im Arnold nur sehr selten zu finden. Mir bekannt sind dabei 2 Fahrzeuge...

Wartung vom Fahrgestell:
Da ist wenig an Problemen zu erwarten. LKW-Technik auf Transporterniveau geschrumpft. Ersatzteilversorgung von Verschleissteilen ist immer noch kein Problem, denn es sind weltweit noch unendlich viele Fahrzeuge unterwegs. Wer zusätzlich vorsorgt ist auf der sicheren Seite.
Getriebe: Da gibt es eine Synergie mit der G-Klasse und das 711.110/112/113 ist baugleich.

Umbauten Basisfahrzeug/Fahrgestell:
Was man unterlassen sollte sind alle Tuningmassnahmen, die vom MB-Baukasten abweichen, weil langfristig so gut wie keine Ersatzteilversorgung gegeben sein wird. Das gilt für Turbolader, Luftfederungen, etc.

Was bedeutet das für den Unterhalt und die Wartungskosten?
- Es braucht nur einen regelmässigen gewissenhaften Service, also Ölwechsel (alle!), Bremsflüssigkeit, Filter, Abschmieren von Vorderachse und Kardanwelle, Check Radlager, Bremsen. Auspuff und -krümmer, etc.
- Man sollte bei Zeiten eine grössere Revision einplanen. Also Motor (Einspritzdüsen, Steuerkette, Förderbeginn...), Getriebe + Kupplung, Kardanwelle, Achsen, Bremsen, Stromverteiler, Lima-Regler, Lenkgetriebe, etc.
- Insgesamt sind da keine aussergewöhnlich hohen Kosten zu erwarten. Und wenn ein Problem erkennbar wird, dann hat man Zeit zu handeln und nach günstigem Ersatz Ausschau zu halten. Totalausfälle sind dann kaum zu erwarten. Und wer mag kann vorbeugen. Ein Schutzbrief, oder ADAC+-Mitgliedschaft können durchaus Ihr Geld wert sein, falls mal doch was unvorhergesehenes passiert...

Und immer bedenken: Unsere Fahrzeuge sind alle schon über 40 Jahre alt. Wer jetzt sein Fahrzeug technisch in Schuss hat der wird noch sehr lange Freude daran haben. Bei entsprechender Vorsorge sicher viele weitere Jahrzehnte.

So, das fürs Erste. Fortsetzung per EDIT folgt....

Peter
Arnoldfahrer seit 1994; RM35S Bj.80 (2012-2017; Besitzer ist im COC und hat 2. Arnold), RM38L Bj.82 (1994-2023; unser erster nach langer Suche) und RM40 Bj.84 (seit 2016 und läuft...).
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peterb
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Re: Langlebigkeit und Wartungskosten unserer Fahrzeuge

Beitrag von peterb »

Hallo Arnoldfreunde,

habe heute auf Phönix einen älteren Bericht über die Todesstrassen dieser Welt gesehen. So viele alte MB-LKW der alten Baureihen von NG73 bis SK habe ich noch nie in einem FIlm gesehen. Die bestimmen in Pakistan immer noch das Verkehrsbild. Und dann sah ich auch einen Mercedes Transporter aus indischer Fertigung. Ist schon lange bekannt, das Forcemotors aus Indien, auch als Formel1-Team bekannt geworden, die kompletten Anlagen und Werkzeuge für den T1 übernommen hat und bis heute Fahrzeuge auf dieser Basis fertigt. Der Knaller: Aktuell wird das Fahrzeug als Beginn einer neuen Era of smart mobility beworben. Zudem nicht zu verachten: Im betreffenden Marktsegment hat die Modellreihe heute (über 30 Jahre nach Auslauf der Fertigung in D) dort immer noch 65% Marktanteil. Wenn das kein überzeugendes Argument ist für die Qualitäten dieser Modellreihe. Hier der Link zur Webseite bei Farcemotors: https://www.forcemotors.com/vehicles-ca ... traveller/
Das ist übrigens auch ein Grund für die immer noch hervorragende Ersatzteilverfügbarkeit. Die Fahrzeuge sind weltweit immer noch in grossen Stückzahlen unterwegs und werden sogar immer noch produziert. Nur bei MB wird es immer enger, denn daran lässt sich nichts verdienen. Und nächstes Jahr steht das 50-jährige Jubiläum an, denn im Herbst 1977 wurde der T1 am Markt eingeführt....

Link auf der Webseite werde ich nachtragen, denn auch da soll der aktuelle Stand zu finden sein.

VG Peter
Arnoldfahrer seit 1994; RM35S Bj.80 (2012-2017; Besitzer ist im COC und hat 2. Arnold), RM38L Bj.82 (1994-2023; unser erster nach langer Suche) und RM40 Bj.84 (seit 2016 und läuft...).
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